Pferde > Clickertraining

1) Konditionierung
Ein motivieres Pferd an den Clicker zu gewöhnen ist sehr einfach, wenn man seine Vorlieben kennt. So ziemlich jedes Pferd, das ich kenne, spricht auf Leckerlies an... *gg
Ich fange mit einer kleinen Übung an, die das Pferd gerne von sich aus anbietet, bei uns war es das Berühren meiner Faust, siehe Hand-Target. Ich clicke allerdings nur, wenn er nicht reinkneift, sonst hat man ganz schnell Unarten gefestigt!
Diese Übung wird dann so oft wiederholt und auch verändert (Faust oben halten, rechts, links...) bis das Pferd nach jedem Click freudig die Belohnung erwartet.

2) Hand-Target (Target = Ziel)
Der Target-Stick hat beim Clickertraining mit Hunden großen Anklang gefunden. Ich habe mich jedoch dazu entschieden meine Faust zu benutzen, da ich sie immer dabei habe. Beim Training mit jungen Pferden hab ich sowieso immer alle Hände voll mit Gerte, Strick(en), Clicker, Leckerlies...
Diese Übung habe ich wieder am Anbindebalken aufgebaut. Clicker in der einen Hand (am besten um den Hals gehängt), die andere Hand zur Faust geballt und Nemesis erst mal in ein paar Zentimeter Abstand vor die Nase gehalten. Dann jedes beschnuppern geclickt und belohnt, allerdings nur solang er nicht reinkneift. Die Faust auch mal länger gehalten, ohne dass er reinbeißen durfte...
Dann hab ich die Faust mal rechts und mal links von seinem Kopf gehalten. Später konnte ich ihn an der Faust führen, indem ich mich zum Beispiel mit dem ausgestreckten Arm langsam um mich selbst gedreht habe.

3) Stehen
Ruhig stehen zu bleiben ist eine der schwierigsten und wichtigsten Aufgaben für ein junges Pferd. Es tritt fast überall auf, beim Putzen, bei der Gewöhnung an neue Dinge (duschen, Tierarztbesuche,...), um beim Führen eine Denkpause einlegen zu können...
Mit Nemesis habe ich damit in gewohnter Umgebung angefangen, als er angebunden war. Ich habe so langsam aufgebaut, dass er nicht das Ende des Stricks erreicht hat, lieber bin ich nochmal einen Schritt auf ihn zu gemacht. Anfangs fand er das nicht einfach, erst wollte er hinter mit her laufen, dann hat er versucht durch Scharren an Aufmerksamkeit zu kommen. Wenn man das ausgesessen hat, kann man ihn sofort mit einem Click und Leckerlie belohnen, sobald er nur ganz kurz ruhig steht. Dann kann die Dauer verlängert werden.
Die Übung kann dann auch auf fremde oder ungewohntere Umgebungen ausgeweitet werden.

4) Mit der Gerte abstreichen
Diese Übung habe ich aufgebaut, damit Nemesis die Gerte kennen lernt und an seinem Körper akzeptiert. Ein langsames Abstreichen soll er "ignorieren", nur wenn ich mit der Gerte touchiere erwarte ich eine Reaktion, aber das kommt später. Anfangs wird nur der Körper und der Rücken abgestrichen. Die Beine folgen erst wenn die Gerte schon bekannter ist, da sie meistens empfindlicher sind.
Beim Abstreichen der Beine habe ich ein Austreten ignoriert, oder mit einem "Steh" kommentiert. Nemesis hatte dann ganz schnell raus, dass er nur abwarten soll, dann kommt er auch zu seiner Belohnung.

5) Schritt führen
Da Hengste schnell steigen können, ob es nur zum Spiel oder aggressiv gemeint ist, achte ich bei Nemesis genau darauf, dass er beim Führen auf meiner Höhe läuft und sich nicht hinter mich fallen lässt. Trotzdem passiert es mir noch ab und zu, dass er hinter mir läuft und mich dann zum Spielen auffordern will, weil ich mich genug konzentriert hab. Kann natürlich ungemütlich werden, da er mit seinen 2 Jahren auch schon groß und schwer genug ist...
Deshalb sind wir momentan dabei die Führposition zu festigen, wenn er neben mir läuft kommt er nämlich gar nicht auf diese Ideen *gg
Ich clicke also immer, wenn er gleichmäßig und ohne Spielattacken (Kopf schlagen und in meine Hand knapsen gehören auch dazu) neben mir her läuft. Allerdings muss ich damit rechnen, dass er stehen bleibt und sein Leckerlie verlangt, wenn ich clicke, also nicht erschrecken...
Wenn er mir zu nah auf die Pelle rückt setze ich auch den Hand-Target ein. Das heißt ich strecke die rechte Faust zur Seite aus, damit er ihr mit der Nase folgen kann. So bekommt er automatisch eine Armlänge Abstand, die zu Anfang natürlich öfter mal neu aufgebaut werden muss, nach jedem Click kommt er sich ja wieder sein Leckerlie abholen... Ich möchte die Belohnung aber auch nicht in der Target-Hand halten, da er sonst auf die Idee kommt da rein zu schnappen!

6) Rückwärts richten
Diese Übung haben wir schon gemacht, als Nemesis noch nicht auf den Clicker konditioniert war. Ich habe mich vor ihn gestellt und mit dem Kommando "zurück" einen Schritt auf ihn zu gemacht. Wenn das Pferd die Führperson respektiert, wird es ziemlich schnell verstehen, dass es weichen soll.
Nemesis liebt diese Übung und zeigt sie in jeder Situation, ich nutze sie allerdings nie als Strafe, zum Beispiel für Steigen oder Ungehorsam, sondern nur um seine Aufmerksamkeit zu bekommen.

7) Hufe geben
Bei dieser Übung habe ich an den Vorderbeinen angefangen, da es den meisten Pferden dort leichter fällt. Ich habe die Hand vom Körper zu den Füßen gestrichen. Am Huf angekommen, hab ich den leicht angehoben. Wenn das ohne hektisches Zucken klappt, kann man die Dauer verlängern und anfangen den Huf zu manipulieren. Das Gleiche dann auch an den Hinterbeinen....

8) Füße anheben
Mit dieser Übung wollte ich erreichen, dass die Gerte auch eine Reaktion hervorrufen kann. Ich habe erst den Körper abgestrichen (siehe oben) und dann die Beine touchiert. Sobald das Bein nur ein bisschen bewegt wurde, auch wenn es nur Zufall war, habe geclickt und belohnt. Allerdings habe ich es ignoriert, wenn nach der Gerte getreten wurde. Das hat er auch nur zweimal versucht und dann eingesehen, dass es zu keinem Ergebnis führt. Hätte ich als Reaktion fester auf das Bein gehauen, wäre es wahrscheinlich zu einer noch stärkeren Trotzreaktion (treten) gekommen.
Die Vorderbeine sollte er auch nur vorsichtig anheben und nicht nach vorne raushauen, ich will ja noch keinen spanischen Schritt mit ihm üben, da das auch mal ins Auge gehen kann, wenn ich zu dicht vor ihm stehe...

9) Dehnen
Um schon mal mit leichten Dehnungs- und Gymnastizierungsübungen anzufangen, habe ich die Hand-Target-Übung ausgeweitet. Angefangen wird natürlich mit dem ruhigen Stehen. Indem ich die Faust an der rechten oder linken Körperseite langsam richtung Kruppe geführt habe, habe ich schon eine Dehnung der entgegengesetzten Körperseite provoziert. Wenn das Pferd sich mit dreht, war die Bewegung wahrscheinlich zu schnell, oder es wurde schon zu viel verlangt. Diese Beweglichkeit muss sich durch Üben erst langsam entwickeln.
Mittlerweile kann Nemesis auch seinen Hals dehnen, indem ich meinen Arm über seinen Rücken lege und er sich nach meiner Faust umschaut. So lernt er gleichzeitig stehen zu bleiben, während ich hinter seinem Kopf stehe und schon eine kräftigere Berührung auf seinem Rücken zu akzeptieren. Er bleibt dabei total gelassen und kapiert sehr schnell worauf es ankommt.

10) Huf behandeln lassen
Nemesis hat ein Hufgeschwür bekommen, jetzt müssen wir täglich seinen Hufverband mit 1 Liter Rivanol tränken. Das ist nicht seh einfach, vor allem wenn der Patient zappelt. Dank dem Clicker haben wir das aber sehr leicht in den Griff bekommen. Ich muss etwas an dem Verband rumpopeln, um mit einer großen Spritze die Flüssigkeit hinein zu geben, das geht am einfachsten, wenn ich beide Hände frei hab und nicht mit einer Hand den Huf in die Luft halten muss, damit er nicht zappelt.
Also habe ich begonnen das ruhige Stehenlassen zu belohnen. Dann bin ich Schritt für Schritt mit der Spritze näher an den Fuß gegangen und konnte ihn schnell auch berühren, ohne dass Nemesis ihn weggezogen hat. Als dieser Schritt erst mal geschafft war hatte Nemesis innerhalb einer Trainingseinheit raus, dass es den Click und die Belohnung gibt, wenn er mich an seinem Huf herumfuhrwerken lässt.

11) Huf anheben
Diese Übung ist nicht sehr einfach. Sensible Pferde neigen dazu nach der Gerte zu kicken, andere reagieren vielleicht gar nicht. Für die Zwiebeiner ist die dagegen recht simpel. Ich fange immer damit an das Pferd mit der Gerte abzustreichen. Dann touchiere ich ein Bein, vorne fällt es Nemesis leichter als hinten. Wenn er den Huf anhebt clicke ich. Allerdings nur dann, wenn ich mir sicher bin, dass er ihn ruhig wieder absetzt.
Wenn er hinten kickt, sage ich "Falsch" und lasse ihn nochmal stehen. Dann streiche ich nochmal seine Hinterbeine ab, er darf sie dabei nicht anheben. Wenn er dann auf das touchieren einen Huf anhebt und ruhig wieder absetzt, gibt es den Click und das Leckerlie. Bei ungeduldigen Pferden kann es etwas länger dauern. Nemesis bietet mir manchmal diverse andere Übungen an, wenn er meint nicht weiter zu kommen. Da hilft nur hart und geduldig bleiben!

12) Das Kompliment
Nemesis hat noch nicht genug Gleichgewicht um das Kompliment voll auszuführen. Vielleicht hat er es auch einfach noch nicht verstanden. Deshalb beschreibe ich es hier Schrittweise, so wie wir es aufbauen.
1. Kopf nach unten dehnen
Ich halte meine Faust oder den Gertenknauf vor seine Brust. Ziel ist es das Target zu berühren, ohne rückwärts zu gehen.
2. Fuß dabei hoch halten
Ich tippe sein Bein mit der Hand oder dem Gertenknauf an, damit er es anhebt. Wenn Schritt 1. sitzt, wird das Pferd dann fast von alleine seinen Kopf nach unten richtung Target dehnen. Nemesis wird manchmal ungeduldig und fängt an mit dem Huf in der Luft zu scharren. Dann gibt es natürlich noch keine Belohnung. Erst wenn er sein Bein ruhig in der Luft hält und den Target berührt gibt es den Click.
3.Target nach hinten verlagern
Bis jetzt sind wir so weit, dass das Target auf Höhe des anderen Hufes gehalten wird. Nemesis kann sich also schon recht weit nach unten dehnen, während er den anderen Huf in der Luft hält. Hinter die Beine sind wir allerdings noch nicht gekommen, dann würde er schon langsam das Gleichgewicht verlieren und müsste das Bein ablegen.
Ich lasse ihm Zeit, es ist momentan seine Lieblingsübung und das will ich uns nicht verderben indem ich ihn überfordere.

13) Die andere Führposition
Um sich langsam an Seitengänge heran tasten zu können, ist es sinnvoll das Pferd auch führen zu können, wenn man in Blickrichtung zu ihm steht. Meine Füße zeigen dabei zur Schulter des Pferdes. Die Hand am Kopf des Pferdes benutze ich als Target, in die andere Hand nehme ich die Gerte zur Hilfe. Die Target-Hand halte ich vor den Kopf des Pferdes, gebe das Kommando zum angehen und gehe langsam seitlich los.
Es ist einfacher, wenn man am Anfang eine Bande oder einen Zaun zur Hilfe nimmt, damit sich das Pferd sich nicht eindreht und plötzlich frontal zu einem steht. Anfangs wird schon jede kleinste Bewegung oder der erste Schritt in die richtige Richtung belohnt. Die Gerte setze ich dabei nicht aktiv ein, es reicht, wenn das Pferd sieht, dass sie da ist. Gerade bei sensiblen Pferden ist sonst das Risiko zu groß, dass sie kopflos nach vorne preschen.

14) Schulterherein
Wenn das Pferd das seitliche Führen kennt, ist die leichte Seitwärtsbewegung kein großer Schritt mehr. Bei Nemesis muss ich mich dafür nur weiter eindrehen und nicht mehr so stark seitwärts gehen, sondern eher vorwärts. Dabei sorgt der Target dafür, dass das Pferd sich in dei richtige Richtung dreht und die Gerte hilft dabei, dass das Hinterteil auch mitgenommen wird. Wenn Nemesis hektisch wird und um mich rum läuft, ist es wichtig wieder Ruhe in die Übung zu bringen und ihn lieber noch etwas geradeaus gehen zu lassen, um dann noch einmal von vorne anzufangen.
Man kann bei dieser Übung sehr gut die Füße beobachten. Es fällt Nemesis noch nicht so leicht dabei auf einer geraden Linie zu laufen. Da wir bei dieser Übung meistens genug Platz haben, achte ich einfach darauf, dass die Füße richtig gesetzt werden und belohne das, ohne mir Gedanken über Bahnfiguren zu machen.

Super Link über das Clickertraining mit Pferden!